#Universität #Bielefeld: Forscher finden Kontrollmechanismus gegen #Zellstress
- Entdeckung liefert Ansatzpunkte zur Behandlung von Demenz und Krebs.
#Bielefeld, 18. März 2026
Ein internationales Forschungsteam der Universität Bielefeld und des #Leibniz Forschungsinstituts für #Molekulare #Pharmakologie (#FMP) haben einen bislang unbekannten Kontrollmechanismus in menschlichen #Zellen entschlüsselt. Sie zeigen erstmals, wie ein zentraler molekularer Schalter die »Recyclingzentren« der Zelle reguliert. Die Ergebnisse, veröffentlicht im renommierten Fachjournal »Nature Communications«, liefern wichtige Ansätze für das Verständnis von #Krebs und neurodegenerativen Erkrankungen.
Die wichtigsten Fakten im Überblick
- Forscher der Universität Bielefeld und des Leibniz Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) in Berlin entdecken mit TBC1D9B erstmals den fehlenden »Ausschalter« für den zentralen Lysosomen Schalter ARL8B.
- Ohne diesen Regulator geraten die Kontrollzentren des Stoffwechsels der Zelle aus dem Gleichgewicht und reagieren gestört auf #Nährstoffmangel.
- Die Ergebnisse eröffnen neue Perspektiven für #Therapien bei #Alzheimer, #Parkinson oder #Krebs.
#Lysosomen sind die Kontrollzentren des Stoffwechsels von Zellen und Geweben einschließlich des Gehirns. Sie zerlegen defekte Eiweiße und andere Makromoleküle in ihre Bausteine. Gleichzeitig entscheiden sie, ob eine Zelle wächst oder in einen Energiesparmodus schaltet. Damit übernehmen sie eine Schlüsselrolle für #Gesundheit und #Krankheit.
Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Markus Damme von der Universität Bielefeld und Prof. Volker Haucke, Direktor des Leibniz Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP), haben nun gemeinsam einen entscheidenden Mechanismus dieser Steuerung aufgeklärt. »Wir zeigen zum 1. Mal, welcher Gegenspieler den zentralen Transportschalter ARL8B wieder ausschaltet«, sagt der Biochemiker Markus Damme, der vor kurzem aus Kiel an die Universität Bielefeld berufen wurde. »Damit verstehen wir besser, wie Zellen ihre Recyclingzentren – oder noch konkreter, ihre Nachhaltigkeitszentren – räumlich organisieren und an Nährstoffmangel anpassen«, ergänzt Prof. Volker Haucke, der zusammen mit Markus Damme gemeinsamer Letztautor der Studie ist.
Im Zentrum der Arbeit, die in enger Kooperation der Teams um Prof. Volker Haucke in Berlin und Prof. Markus Damme in Bielefeld sowie Forscher der Christian Albrechts Universität Kiel entstanden ist, steht das Protein ARL8B. Es wirkt wie ein Motorstarter: Ist es aktiv, wandern Lysosomen entlang eines zellulären Schienennetzes – den sogenannten #Mikrotubuli – an den Rand der Zelle. Dort fördern sie Wachstumsprozesse. Bisher war jedoch unklar, wie dieser Schalter wieder deaktiviert wird.
Ein neuentdeckter Gegenspieler
Die Forscher identifizierten das Protein TBC1D9B als entscheidenden »Ausschalter«. TBC1D9B bindet an das Lysosomen Protein TMEM55B und schaltet ARL8B gezielt ab. Fachleute sprechen von einer GAP Funktion (GTPase aktivierendes Protein) – einem Mechanismus, der molekulare Schalter in ihre inaktive Form zurückversetzt.
»Fehlt TBC1D9B oder sein Partner TMEM55B, verlieren Lysosomen ihre geordnete Position. Sie verteilen sich unkontrolliert in der Zelle«, erläutert Doktorand Valentin Duhay von der CAU Kiel, Ko Erstautor der Studie. Besonders dramatisch zeigt sich das bei Nährstoffmangel: "Normalerweise rücken Lysosomen dann ins Zellzentrum und kurbeln den Abbauprozess – die sogenannte Autophagie, eine Art Selbstreinigung der Zelle – an. Ohne den neu entdeckten Regulator funktioniert diese Anpassung nicht«, ergänzt FMP Forscherin und Ko Erstautorin Dr. Miaomiao Tian.
Bedeutung für #Medizin und #Gesellschaft
Die Arbeit verbindet modernste Proteomanalysen, Genom Editierung und hochauflösende Mikroskopie. Sie belegt in bisher unerreichter Detailtiefe, dass nicht nur die präzise Position von Lysosomen über ihre Funktion entscheidet.
Fehlfunktionen von Lysosomen spielen bei Alzheimer, Parkinson und erblichen Stoffwechselerkrankungen ebenso eine Rolle wie bei Krebs. Wenn Lysosomen in ihrer Kontrollfunktion und Recyclingfunktion gestört sind, sammeln sich schädliche Eiweißablagerungen zum Beispiel im #Gehirn an oder #Tumorzellen nutzen die Systeme für ihr eigenes Wachstum.
Einschätzung der Professoren Damme und Haucke
»Unsere Ergebnisse liefern den fehlenden Baustein zur Regulation von ARL8B. Diese Entdeckung eröffnet neue Perspektiven, um krankhafte Prozesse wie das Tumorwachstum gezielt zu beeinflussen«, so die Einschätzung von Professor Dr. Markus Damme zum Thema. Prof. Volker Haucke ergänzt: »Durch gezielte Eingriffe in die Schaltprozesse am Lysosom könnten wir zum Beispiel #Nervenzellen widerstandsfähiger machen und so #Demenz verhindern oder verzögern oder Immunzellen, die ebenfalls von ARL8 abhängig sind, scharfstellen, um #Viren oder #Bakterien effektiver zu bekämpfen.«
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Foto: Universität Bielefeld, Informationen zu Creative Commons (CC) Lizenzen
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