»B Girl – Kaffee war ihr Leben«, Güterslohs erste Barista von 1893

#Gütersloh, 24. Juli 2026

Manche Historiker behaupten, es habe sie nie gegeben. Andere behaupten, genau das sei der beste Beweis dafür, dass sie existiert habe.

Fest steht nur: Irgendwann gegen Ende des 19. Jahrhunderts soll in Gütersloh eine geheimnisvolle Frau gelebt haben, die nur unter dem Namen »B Girl« bekannt war. Im wahren Leben hieß sie Überlieferungen zufolge Petra Brunnenkötter. Wofür das »B« stand, darüber streiten sich die Quellen bis heute. #Barista? #Bohne? #Brauhaus? #Bohnenspezialistin? Niemand weiß es.

Während die meisten Menschen #Kaffee damals noch als kostbare #Kolonialware betrachteten, die man sonntags aus dem guten #Porzellan trank, soll B Girl bereits von einer völlig anderen Zukunft geträumt haben. Sie sprach angeblich von »#Röstprofilen«, »#Aromen« und »#Mahlgraden« – Begriffe, mit denen man im #Kaiserreich bestenfalls eine militärische Einheit bezeichnet hätte.

Zeitzeugen berichten, sie habe jede #Kaffeebohne einzeln begrüßt. Bevor sie den ersten Schluck nahm, hielt sie die Tasse gegen das Licht, roch daran, nickte bedeutungsvoll und murmelte: »Leichte Noten von #Haselnuss, etwas #Kakao, im Abgang #Pferdefuhrwerk.«

Die meisten Gütersloher verstanden kein Wort.

Überliefert ist auch, dass sie regelmäßig den Kolonialwarenhändler aufsuchte. Während andere Kunden ein Pfund Bohnen verlangten, fragte sie: »Aus welcher Höhenlage stammen sie?« Der Händler antwortete stets: »Vom Regal links.«

B Girl war damit nicht zufrieden.

Sie begann, Bohnen nach Größe, Farbe und angeblicher Persönlichkeit zu sortieren. Angeblich schrieb sie sogar kleine Lebensläufe dazu.

#Bohne Nummer 17. Ernst. Zuverlässig. Etwas säurebetont.

Nachbarn berichteten später, aus ihrer Küche habe es ununterbrochen nach frisch geröstetem Kaffee gerochen. Das lag allerdings weniger an einer Röstmaschine – die gab es dort gar nicht – sondern daran, dass sie regelmäßig vergaß, die Pfanne vom Herd zu nehmen.

Besonders legendär war ihre Erfindung des »Flat White«. Das Getränk bestand allerdings lediglich aus normalem Kaffee, weil niemand wusste, wie man Milchschaum macht. Den Namen hatte sie trotzdem schon.

Auch das Wort »Third Wave Coffee« soll sie geprägt haben. Damals verstand allerdings jeder darunter eine besonders hohe Welle auf der Dalke.

Als Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten elektrischen Kaffeemühlen auftauchten, soll B Girl nur gelächelt haben.

»Zu spät«, sagte sie. »Ich mahle weiterhin von Hand. Das schmeckt entschlossener.«

Ihr größter Traum war ein eigenes Kaffeehaus, in dem jeder Gast zunächst einen zwanzigminütigen Vortrag über die Herkunft der Bohnen anhören musste, bevor er überhaupt bestellen durfte. Das Konzept setzte sich überraschenderweise nicht durch.

Nach ihrem Tod verschwand B Girl aus den Geschichtsbüchern. Manche behaupten, ihre Unterlagen seien versehentlich zwischen Rechnungen eines Kolonialwarenhändlers abgeheftet worden. Andere vermuten, sie seien beim großen Gütersloher Kaffeefleck von 1908 unleserlich geworden.

Heute erinnern nur noch wenige Spuren an diese außergewöhnliche Frau. Wer allerdings morgens in Gütersloh jemanden beobachtet, der vor dem ersten Kaffee nicht ansprechbar ist, der ahnt: Ganz verschwunden ist ihr Erbe vielleicht doch nicht.

Oder, wie B Girl angeblich sagte: »Das Leben ist zu kurz für schlechten Kaffee. Und für Kaffee ohne #Diskussion über den Mahlgrad erst recht.«

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